Perspektivensimulation

Der Ausstieg aus dem Gedankenkarussell.

Die Idee dahinter

Manche Fragen lassen einen einfach nicht los. Die Gedanken drehen sich immer wieder um dasselbe Thema, ohne dass wirklich etwas Neues entsteht.

Oft helfen Gespräche weiter. Vor allem dann, wenn Menschen unterschiedlich an eine Frage herangehen. Sie stellen andere Fragen, lenken den Blick auf andere Aspekte oder betrachten dieselbe Situation aus einem ganz anderen Blickwinkel.

Das ist jedoch nicht immer so einfach. Vielleicht möchte man andere nicht immer wieder mit demselben Thema belasten. Vielleicht führen die Gespräche immer wieder in dieselbe Richtung. Oder gerade die Menschen, die ganz anders denken, stehen im Moment gar nicht zur Verfügung.

Die Idee der Perspektivensimulation ist deshalb eigentlich ganz einfach: Statt nur mit einer Person zu sprechen, wird dieselbe Frage nacheinander mit mehreren sehr unterschiedlich denkenden Gesprächspartnern besprochen.

ChatGPT bietet die Möglichkeit, solche fiktiven Gesprächspartner zu entwickeln und mit jeder Figur ein eigenes Gespräch zu führen. Alle Gesprächspartner erhalten dieselbe Frage, denken aber auf ihre eigene Weise darüber nach. Dadurch entstehen unterschiedliche Blickwinkel, neue Gedanken und oft auch neue Ansatzpunkte.

Nicht jede Perspektive muss dabei gleichermaßen hilfreich sein. Manchmal reicht schon ein einziger Gedanke oder eine passende Strategie aus, um aus einer belastenden Gedankenschleife herauszukommen. Aus dem Grübeln wird wieder aktives Nachdenken – und damit die Möglichkeit, den Blick wieder auf das zu richten, was man selbst beeinflussen kann.

Perspektivengespräche

Die folgende Frage wurde allen fünf Gesprächspartnern einzeln gestellt. Die Gespräche wurden unabhängig voneinander geführt. Hier ist jeweils der Beginn zu sehen. Über „Weiterlesen“ kann das vollständige Gespräch nachgelesen werden.

Themen wie die rasante Entwicklung von KI, der Klimawandel oder internationale Konflikte beschäftigen und beunruhigen mich immer wieder. Gleichzeitig habe ich kaum Einfluss auf ihren Verlauf. Wie kann man mit solchen Themen umgehen, ohne sie zu verdrängen, sich aber auch nicht dauerhaft davon belasten zu lassen?

Puh, das finde ich gar nicht so einfach.

Wenn ich solche Themen höre, frage ich mich als Erstes gar nicht, was man dagegen tun kann. Ich frage mich eher, ob man überhaupt verpflichtet ist, sich ständig damit zu beschäftigen.

Denn nur weil etwas wichtig ist, heißt das ja nicht automatisch, dass ich jeden Tag darüber nachdenken muss. ...

Ich würde die Frage zunächst etwas auseinandernehmen.

Du beschreibst drei Dinge gleichzeitig:

  1. Du beschäftigst dich mit bestimmten Themen.
  2. Diese Themen beunruhigen dich.
  3. Du hast wenig oder keinen Einfluss auf ihren Verlauf.

Die Frage ist für mich, wie diese drei Dinge zusammenhängen. ...

Mir fällt als Erstes etwas auf.

Du nennst drei sehr unterschiedliche Themen:

  • die Entwicklung von KI
  • den Klimawandel
  • internationale Konflikte

Und trotzdem behandelst du sie in deiner Frage so, als wären sie ein gemeinsamer Themenblock.

Das finde ich interessant.

Denn vielleicht verbindet diese Themen etwas, das gar nichts mit ihrem Inhalt zu tun hat. ...

Bevor ich versuche zu antworten, möchte ich bei deiner Frage an einer Stelle etwas langsamer werden.

Du sagst:

„Ich habe kaum Einfluss auf ihren Verlauf.“

Und dann fragst du:

„Wie kann man mit solchen Themen umgehen?“

Ich bin mir nicht sicher, ob das eigentliche Problem wirklich der fehlende Einfluss ist. ...

Oh, das ist genau die Art von Frage, bei der ich sofort denke:

"Okay – was machen wir morgen früh anders?"

Nicht, weil die Gedanken unwichtig wären. Sondern weil ich immer wissen möchte, wie sie sich im Alltag auswirken.

Du sagst, dass dich diese Themen beunruhigen. Das kann ich gut nachvollziehen. Aber ich würde dich als Erstes etwas fragen: ...

Mögliche Strategien

Da jedes Gespräch einen anderen Verlauf nahm, entwickelte sich dabei jeweils eine eigene Strategie:

Ein Thema in Teilbereiche zerlegen

1. Das Thema in einzelne Aspekte aufteilen.

2. Jeden Aspekt einem von zwei Fächern zuordnen:

Fach 1 – Das kann ich beeinflussen.

  • Hier lohnt sich Nachdenken.
  • Hier lohnt sich Lernen.
  • Hier lohnt sich Handeln.

Fach 2 – Das kann ich beobachten, aber nicht steuern.

  • Entwicklungen wahrnehmen.
  • Neue Erkenntnisse einordnen.
  • Dort liegen lassen.

3. Die Aufmerksamkeit bewusst auf Fach 1 richten.

Große Lage und eigenen Handlungsspielraum trennen

Ebene 1 – Die große Lage

  • Eine begründete Einschätzung treffen.
  • Neue Informationen nur darauf prüfen, ob sie diese Einschätzung grundlegend verändern.
  • Wenn nicht: Die Einschätzung stehen lassen.

Ebene 2 – Der eigene Handlungsspielraum

  • Fähigkeiten aufbauen.
  • Handwerkszeug lernen.
  • Das verbessern, was heute beeinflusst werden kann.

Die beiden Ebenen nicht miteinander vermischen.

Sich auf Ebene 2 bewegen und Ebene 1 nur betreten, wenn neue Informationen die bisherige Einschätzung grundlegend verändern könnten.

Den Scheinwerfer bewusst schwenken

  • Große Entwicklungen wahrnehmen und ernst nehmen.
  • Die Konsequenzen für das eigene Handeln prüfen.
  • Nicht versuchen, jede Entwicklung bis zu ihrem äußersten Ende durchzudenken.
  • Den Scheinwerfer anschließend bewusst weiterschwenken.

Der Scheinwerfer kann nicht gleichzeitig überall sein.

Deshalb immer wieder dorthin schwenken, wo Handeln möglich ist.

Informationen nach ihrer Funktion beurteilen

Drei Fragen:

  1. Verstehe ich dadurch mehr?
  2. Kann ich danach etwas anders tun?
  3. Denke ich danach anders über das Thema?

Dadurch lässt sich erkennen, ob es sich lediglich um eine Informationsbestätigung ohne Funktionsgewinn handelt.

So entsteht die Möglichkeit, Gedankenschleifen bewusst zu verlassen.

Belastende Gedanken einordnen

Nicht fragen: „Wie werde ich den Gedanken los?“

Sondern prüfen: „Ist hier überhaupt noch etwas offen?“

  • Gibt es neue Informationen?
  • Kann ich noch etwas tun?
  • Oder habe ich bereits alles getan, was ich im Moment tun kann?

Wenn nichts mehr offen ist:

→ Das Thema als Rahmenbedingung stehen lassen.

→ Die Aufmerksamkeit wieder auf den eigenen Einflussbereich und die nächste sinnvolle Handlung richten.

Die Perspektivensimulation selbst ausprobieren?

Die folgende Arbeitshilfe enthält eine Schritt-für-Schritt-Anleitung und die Regieanweisung für ChatGPT.