Den Tagen ein Gesicht geben
Ein Tag ist mehr als ein Datum.
Die Motivation zum Projekt
Jedes Jahr an Silvester wundert man sich aufs Neue, wie schnell die vergangenen zwölf Monate vorbeigegangen sind.
Und jedes Jahr werden neue Vorsätze gefasst. Die einen planen einen Dry January, die anderen melden sich voller Elan im Fitnessstudio an. Ich hatte mir diesmal etwas ganz anderes vorgenommen:
Zumindest der Januar sollte diesmal nicht einfach spurlos vergehen. Er sollte ein Gesicht bekommen.
Jeder Tag ist etwas Besonderes. An jedem Datum ist irgendwann etwas Bemerkenswertes passiert – manchmal etwas Weltbewegendes, manchmal etwas Kurioses, manchmal etwas fast Vergessenes.
Warum also nicht jedem Januartag ein eigenes Bild widmen?
So entstand jeder Januartag
Am Ende sieht man immer nur das fertige Bild.
Was man nicht sieht, sind die vielen Ideen, die verworfen wurden. Die unterschiedlichen Richtungen, die ausprobiert wurden. Die Fragen, die plötzlich alles wieder auf den Kopf stellten. Und die Momente, in denen aus einer beiläufigen Bemerkung die entscheidende Idee entstand.
Jeder Januartag begann mit einer offenen Suche nach einem passenden Anlass. Als Inspiration dienten historische Ereignisse, Persönlichkeiten und kuriose Feiertage – vor allem aus den Tagesübersichten der Wikipedia und der Seite Kuriose Feiertage. Von dort aus entwickelte sich die Idee im Dialog mit ChatGPT weiter.
Mal war die passende Richtung schnell gefunden, manchmal dauerte es deutlich länger. Es wurde diskutiert, verworfen, neu gedacht und weiterentwickelt – bis sich schließlich eine Idee herauskristallisierte, die den jeweiligen Tag für mich auf den Punkt brachte.
Mir ist es wichtig, einen Blick hinter die fertigen Bilder zu ermöglichen. Denn sie sind nicht nach dem Prinzip „ChatGPT, mach mal!“ entstanden. Hinter jedem Motiv steckt ein kreativer Dialog. Deshalb finden sich zwischen den Januartagen vier Werkstattfenster. Sie geben exemplarisch Einblick in den Entstehungsprozess der Bilder und zeigen, wie aus ersten Gedanken Schritt für Schritt ein fertiges Motiv entsteht – mit Fragen, Zweifeln, Sackgassen, neuen Einfällen und gemeinsamen Entscheidungen.
Die Januartage
Ein halbes Jahr danach
Als ich mir zu Beginn des Jahres 2026 vorgenommen hatte, jedem Januartag ein eigenes Bild zu widmen, wusste ich nicht, wohin mich dieses Projekt führen würde. Es war ein Experiment. Ich wollte herausfinden, was mit ChatGPT überhaupt möglich ist – und ob sich historische Ereignisse, Persönlichkeiten und kuriose Feiertage auf diese Weise kreativ umsetzen lassen.
Heute, ein halbes Jahr später, bin ich noch einmal durch das gesamte Projekt gegangen. Es war fast wie eine kleine Zeitreise. Ich konnte verfolgen, wie sich Ideen im Dialog entwickelten, wie aus ersten Gedanken fertige Bilder entstanden und wie sich manche Motive über viele Zwischenschritte immer weiter veränderten. Gleichzeitig fiel mir auf, dass sich auch unsere Zusammenarbeit verändert hat. Woran das genau liegt, kann ich gar nicht sagen. Vielleicht habe ich selbst einen anderen Blick entwickelt. Vielleicht hat sich aber auch ChatGPT weiterentwickelt. Wahrscheinlich ist es beides.
Besonders deutlich wurde mir, wie rasant sich die Bildgenerierung verändert hat. Im Werkstattfenster zu den Niagarafällen ist noch ein früher Bildentwurf mit der legendären Bildunterschrift „Nogenfale Faadels“ zu sehen. Damals ließen sich längere Texte in Bildern nicht zuverlässig darstellen und mussten deshalb häufig nachträglich korrigiert oder in einem Bildbearbeitungsprogramm ergänzt werden. Heute ist das ganz anders: Jetzt werden auch Texte eindrucksvoll und zumeist fehlerfrei in die Bilder integriert.
Mindestens genauso faszinierend war für mich aber der kreative Prozess selbst. Ich hätte vorher nicht gedacht, dass sich Ideen auf diese Weise entwickeln können – in einem offenen Gespräch, ohne von Anfang an zu wissen, wie das fertige Bild einmal aussehen würde. Gerade diese Offenheit hat das Projekt für mich so spannend gemacht.
Vor der Veröffentlichung habe ich mich intensiv mit dem Urheberrecht beschäftigt. Einige Bilder habe ich deshalb bewusst verhüllt und die Gründe jeweils direkt beim entsprechenden Motiv erläutert. Das war zwar sehr schade, aber es ist eben ein Unterschied, ob Bilder nur für den privaten Gebrauch entstehen oder ob sie veröffentlicht werden.
Und wer weiß – vielleicht bekommt irgendwann noch ein anderer Monat ein Gesicht. 😊