„Whoever wins AI, wins.“ – Wer gewinnt hier eigentlich was?
„Wer KI gewinnt, gewinnt.“
Mit diesen Worten erklärte Donald Trump im September 2026, warum die USA ihren Vorsprung gegenüber China bei der künstlichen Intelligenz behaupten müssten. Und Trump beließ es nicht bei dieser bahnbrechenden Erkenntnis. Er erklärte auch, dass er sich den Ausdruck selbst ausgedacht habe – und dass er wahr sei.
Das muss man erst einmal auf sich wirken lassen.
Wer KI gewinnt, gewinnt.
Eine bestechende Logik. Fast könnte man meinen, hier sei eine grundlegende Gesetzmäßigkeit des Wettbewerbs entdeckt worden.
Allerdings wirft dieser bemerkenswerte Satz ein paar Fragen auf.
Wer nimmt eigentlich an diesem Rennen teil?
Die USA und China? Oder OpenAI, Anthropic, Google DeepMind, Microsoft und all die anderen Unternehmen, die sich gegenseitig überholen wollen? Treten die amerikanischen Unternehmen als gemeinsame Mannschaft an oder geht es um Einzelsiege? Schließlich konkurrieren sie auch untereinander. Und falls es eine Mannschaftswertung gibt: Wer hat eigentlich die Mannschaften zusammengestellt?
Und was ist mit staatlichen Forschungseinrichtungen, militärischen Projekten und all jenen, von deren Arbeit wir überhaupt nichts wissen?
Eine vollständige Starterliste scheint jedenfalls nicht vorzuliegen.
Und wo befindet sich die Ziellinie?
Bei der ersten künstlichen allgemeinen Intelligenz? Bei der ersten Superintelligenz? Beim leistungsfähigsten Modell? Oder gewinnt, wer am meisten Geld mit KI verdient?
Vielleicht wäre es hilfreich, sich vor dem Start auf eine Strecke zu einigen. Und auf ein Ziel. Wobei das Rennen längst läuft, also könnte das etwas schwierig werden.
Wer entscheidet eigentlich, wer gewonnen hat?
Einen Schiedsrichter gibt es nicht. Auch keine verbindlichen Regeln. Die Teilnehmer messen ihre Leistungen mit unterschiedlichen Verfahren und verkünden gelegentlich selbst, dass sie gerade besonders weit vorne liegen.
Aber zählt das schon als Sieg? Müssen die anderen zustimmen? Wird abgestimmt? Oder entscheidet am Ende das Los?
Aber nehmen wir an, es gäbe tatsächlich einen Sieger. Was hat er gewonnen?
Geld? Macht? Technologische Überlegenheit? Die Ausschaltung der Konkurrenz? Oder gleich die Auslöschung sämtlicher Gegner?
Und wer bekommt den Gewinn? Das Unternehmen? Seine Aktionäre? Die Regierung seines Heimatlandes? Die Bevölkerung? Oder werden die Gewinne privatisiert und die Risiken großzügig verteilt?
Was geschieht mit den Verlierern?
Müssen sie sich dem Sieger ergeben? Oder dürfen sie weiterkämpfen? Und wenn sie den Sieger anschließend überholen – gibt es dann einen neuen Gewinner? Mit erneuter Siegerehrung? Wie oft eigentlich?
Und was, wenn der Sieger gar nicht mehr bestimmen kann, was mit seinem Gewinn geschieht?
Bei einer extrem leistungsfähigen, weitgehend autonomen KI ist das keine ganz nebensächliche Frage. Wenn ein solches System außer Kontrolle gerät, hilft es wahrscheinlich wenig, dass man es als Erster entwickelt hat.
Im ungünstigsten Fall gibt es also tatsächlich einen Gewinner – und anschließend verlieren alle. Einschließlich des Gewinners.
„Whoever wins AI, wins.“
Ein Rennen mit unbekannter Teilnehmerzahl, ohne verbindliche Regeln, ohne festgelegte Ziellinie und ohne Schiedsrichter. Niemand kann eindeutig sagen, was es zu gewinnen gibt, wann das Rennen beendet ist oder ob der Sieger seinen Gewinn überhaupt behalten kann.
Aber eines steht offenbar fest: Es muss unbedingt schneller gelaufen werden.
Vielleicht sollten wir uns lieber überlegen, wie wir diese orientierungslosen Läufer bremsen können.
KI-generierte Karikatur · Idee und Konzeption: BüroFlow · erstellt mit ChatGPT